On Gamers Mind – Diddy Kong Racing: Fun-Racer schnuppert Abenteuer-Luft

In unserer neuen Reihe “On Gamers Mind” stellen wir euch regelmäßig Spiele vor, die uns trotz ihres Alters immer noch positiv im Gedächtnis geblieben sind. Den Anfang macht der Fun-Racer/Adventure-Mix Diddy Kong Racing für’s gute, alte Nintendo 64.

 
On Gamers Mind - Diddy Kong Racing - by TrueGamer.de

Früher war sowieso alles besser. Dieser Spruch wird heutzutage auch gerne in der Videospiel-Branche benutzt. Viele Spieler haben es einfach satt, ständig irgendwelche uninspirierten Fortsetzungen vor die Nase gehalten zu bekommen. Jedes Jahr ein neues Call of Duty, Assassin’s Creed, Battlefield, Medal of Honor oder wie sie sonst noch alle heißen. Gut, manchmal liegen auch mehrere Jahre zwischen den Veröffentlichungen der genannten Titel, trotzdem kommt es einem oft so vor, als würde man schon seit gefühlten 20 Jahren dieselben Spiele zocken. Deshalb flüchten viele Gamer in die Vergangenheit, zurück zu den Anfängen unseres geliebten Hobbys. Denn da war ja alles besser. Doch stimmt das? In unseren Erinnerungen sind viele Spiele nicht gealtert. Wir denken noch genauso von ihnen, wie am ersten Tag, als wir das Spiel in den Modulschacht gesteckt oder ins CD-Laufwerk gelegt haben.  Während viele 8- bzw. 16-Bit Titel aufgrund der bunten Bitmap-Optik deutlich besser altern, sieht es ab 32- bzw. 64-Bit Zeiten etwas anders aus. Die Polygon-Grafik steckte noch in den Kinderschuhen. Damals merkte man das natürlich nicht, da es neu war. Doch wer heute mal das erste Ridge Racer, Tekken oder Panzer Dragoon einlegt, wird sich wundern, was er damals als Nonplus-Ultra in Sachen Grafik angesehen hat.
 
Wie gesagt, in unseren Erinnerungen sind die Spiele immer noch genauso gut, wie am ersten Tag. Wir erinnern uns an das Gefühl, als wir das Spiel das erste Mal gespielt haben, die Beschreibung durchblätterten, und freuten uns darüber Mama oder Papa tatsächlich schon wieder überredet zu haben, uns ein weiteres Spiel zu kaufen. Egal, wie gut oder schlecht das Spiel war, wir waren glücklich. Denn wir hatten ein NEUES SPIEL. In unserer neuen Reihe „On Gamers Mind“ kramen wir deshalb in unserer ganz persönlichen Erinnerungskiste und stellen euch Spiele vor, die trotz des Alters, trotz der Nostalgiebrille auch heute noch absolut empfehlenswert sind. Denn eine andere Videospiel-Weisheit besagt, Grafik ist nicht alles. Hauptsache es macht Spaß. Und wir können euch sagen, Diddy Kong Racing macht heute noch verdammt viel Spaß. Warum? Erfahrt es in unserer ersten „On Gamers Mind“-Episode namens: Diddy Kong Racing: Fun-Racer schnuppert Abenteuerluft. So, und nach der Einleitung switchen wir nun in die Ich-Perspektive. Genauer gesagt zu meiner Perspektive. Und wer ist ich? Ich bin Flow. Wer sich die Teamseite angeschaut hat, weiß Bescheid. Also, dann werde ich mal in meinen Erinnerungen kramen…
 
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Diddy Kong Racing erschien 1997 für das Nebel 64. Entschuldigung, ich meine natürlich Nintendo 64. Niemand geringeres als Rare war für den Fun-Racer verantwortlich. Schon der Name Rare versetzte mich damals in Verzückung. Donkey Kong Country, Blast Corps, Banjo & Kazooie, ja, der englische Entwickler, der heute nur noch ein Schatten seiner selbst ist, zeigte als reiner Nintendo-Entwickler sogar Big N, wo der Spielspaß-Hammer hängt. Als ich das erste Mal Mario Kart 64 zockte, war meine Freude ehrlich gesagt etwas getrübt. Ganz anders bei Diddy Kong Racing. Schon das Kinderlachen beim Starten des Titels nahm mich in seinen Bann. Dazu die geniale Musik und die Vorfreude war grenzenlos. Wohlgemerkt, ich war gerade 13 Jahre alt. Doch bevor ich hier auf Details eingehen werde, worum geht es bei Diddy Kong Racing eigentlich? Ok werden jetzt einige denken, was ist das denn für ein Vollhorst. Es steht Racing im Titel, wird also ein Racing-Spiel sein. Klar, so kann man es auch sehen, doch Diddy Kong Racing war viel mehr als ein einfacher Fun-Racer. Es war tatsächlich der erste Titel seiner Art. Rare verknüpfte nämlich das Fun-Racer Genre mit einer Story und baute Adventure-Elemente ein. So was gab es vorher noch nie und wahrscheinlich hätte zur damaligen Zeit auch jeder gedacht, dass wenn einer auf so eine Idee kommt, dann Nintendo. Naja, man kann ja nicht alles erfinden.
 
Story- und Adventure-Elemente hin oder her, der eigentliche geschichtliche Rahmen war trotzdem sehr dünn. Ein riesiges Schwein namens Wizpig stattete unerwünschter weise Timber Island einen Besuch ab, nahm alles in Beschlag und machte die vier Wächter der Insel zu seinen Handlangern. Timber der kleine Tiger, ja, deshalb auch Timber Island saß somit ziemlich in der Tinte, da seine Eltern gerade Urlaub machten und ihm die Insel anvertrauten. Tja, wenn man nicht alles selber macht. Wie gut, dass Timber aber Diddy als Freund hat. Der hatte gerade nichts zu tun, und machte sich mit weiteren Freunden, wie Conker, Banjo, irgendeiner komischen Maus und Schildkröte und sogar ein Kremling auf den Weg nach Timber Island, um das blöde Schwein – klingt hart, Wizpig ist aber nun mal ein Schwein – für immer zu vertreiben. Und wie macht man das am besten? Genau, man fährt Rennen und gewinnt Luftballons. Eigentlich ziemlich einleuchtend, denn die Luftballons waren nötig um weitere Strecken freizuschalten. Doch die Rennen wurden nicht einfach nacheinander abgehandelt. Als Ausgangspunkt diente Timber Island, das komplett erkundbar ist.
 
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Insgesamt gibt es vier – gut, später fünf – Welten, die über die Oberweltkarte ansteuerbar sind. Summa-Summarum kommt man bei Diddy Kong Racing auf 20 verschiedene Strecken, dazu vier Battlekurse und sechs Endgegnerbahnen, wobei die ersten vier jeweils zweimal absolviert werden müssen. Nicht zu vergessen die Time Trail-Aufgaben von T.T. und die fünf verschiedenen Cups. Vom Umfang her ist Diddy Kong Racing noch heute ein mächtiger Batzen und so manch moderner Titel kann sich davon eine Scheibe abschneiden. Und wer möchte, kann das komplette Abenteuer auch noch spiegelverkehrt absolvieren.
 
Als 13-jähriger Jungspund waren mir solche Fakten natürlich sch…egal, ich wollte einfach zocken. Also schnell Start gedrückt und schon landete ich in der Figurenauswahl. Da ich nur Diddy kannte und denn schon bei Donkey Kong Country nie spielen wollte, entschied ich mich für Tiger Timber. Ich weiß nicht warum, aber ich habe bis heute noch keine andere Figur genommen. Immer nur Timber. Wer möchte schon eine Maus, Schildkröte – gut, es sei denn es handelt sich um mutierte Panzerechsen, die am liebsten Pizza fressen – oder einen Handwerkerdachs spielen? Danach musste ich mich zwischen Adventure und Tracks entscheiden. Also auf Adventure gedrückt und das Abenteuer konnte sprichwörtlich beginnen. Wow, nach der grafisch genialen Anfangssequenz, in der mehr oder weniger die bescheuerte Geschichte von oben dargestellt wurde, landete ich mit meinem Kart auf Timber Island. Direkt nach der Ankunft nahm mich der Djinn der Insel in Empfang. Cool dachte ich, ein Elefant auf einem fliegenden Teppich und die Töne, die er von sich gab, hörten sich wie ein indischer Rosenverkäufer an. Wollen Rose kaufen? Nach einem kurzen Plausch startete ich das erste Mal den Motor meines Karts und fuhr etwas unbeholfen durch die Gegend. So ein Mist, wo um Himmelswillen geht es hier lang, fragte ich mich. Bis ich endlich den ersten Luftballon fand, der mir das Tor zur ersten Welt öffnete – Dinoland. Hatte ich schon erwähnt, dass die Grafik unbeschreiblich war? Spätestens da wusste ich, warum ich mir ein Nintendo 64 gewünscht hatte. Auch auf den eigentlichen Strecken bekam ich meine Kinnlade kaum hoch. Dermaßen schöne Strecken hatte ich bis dato noch nie gesehen. Ich war so fasziniert, dass das Rennen zur Nebensache wurde. Lieber fuhr ich mit meinem Kart sämtliche Ecken der Strecken ab, damit ich auch ja alles sehen konnte. Im Nachhinein stellte sich das sogar als ziemlich hilfreich heraus, denn insgesamt konnte man vier Schlüssel finden, die die Wege zu den Battlekursen öffneten. Und spätestens bei der Münzschallenge waren meine erworbenen Streckenkenntnisse Gold wert. Sammelt mal acht Münzen ein, die überall verstreut liegen, und gewinnt auch noch das Rennen.
 
Nach dem ersten Endgegner, der Münzchallenge in Dinoland und so manchem Wutausbruch über den Schwierigkeitsgrad kam ich in der zweiten Welt an. Diesmal stand Schnee im Mittelpunkt. Was soll sich sagen, mit jeder Strecke, jeder Welt zog mich Diddy Kong Racing mehr in seinen Bann. Und das Beste daran fiel mir auch erst später auf. Neben dem Kart gab es noch ein Hoverkraft und Flugzeug, die ich nutzen konnte. Geil, zwar war man beim ersten Durchlauf auf ein Fahrzeug festgelegt, danach konnte man die Strecke aber mit dem Wunschvehikel befahren. Also fuhr ich jede Strecke mindestens mit jedem Fortbewegungsmittel ein weiteres Mal. Einfach nur so, weil es mir Spaß gemacht hat. Auch die weiteren Welten standen den beiden ersten in nichts nach. Die Wasserwelt überzeugte mit Urlaubsflair und die Ritterwelt liebte ich. Fand Fantasy schon immer geil. Da konnte die finale Welt im Weltall nicht mithalten. Einen Haken hatte der Titel aber leider.
 
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Diddy Kong Racing war beschissen schwer. Im Gegensatz zu heute konnte ich mir meine Spiele aber nicht selber kaufen, sondern war auf die Geldbörse meiner Eltern angewiesen. Und die kauften mir nicht jeden Monat für knappe 100 DM ein neues Spiel. Warum auch immer? Somit fiel die Wahl, trotz des Schwierigkeitsgrades, immer wieder auf Diddy Kong Racing. Doch ich zockte es nicht nur, weil ich nicht so viele andere Spiele hatte, sondern weil in meiner Erinnerung auch der Wiederspielwert viel höher war. Irgendwann hatte ich Diddy Kong Racing durch und trotzdem spielte ich es immer wieder. Schnell mal hier einen Cup oder einfach ein paar Runden drehen, um neue Bestzeiten aufzustellen. Dieses Gefühl fehlt mir heute komplett. Wenn ich ein Spiel durch habe, wandert es in den Schrank und bleibt da. Müsste ich mich auf eine Bewertung festlegen, würde mein 13-jähriges Ich dem Spiel 100% geben. Doch wie sieht es heute aus?
 
Als ich letztens ein wenig Langeweile hatte und gerade Ninja Gaiden 3 durchgezockt habe – ist übrigens wirklich nicht so gut, wie die beiden Vorgänger – verspürte ich den Drang irgendwas Altes zu spielen. Also wühlte ich in meiner Retrokiste und Diddy Kong Racing kam zum Vorschein. Gut, dachte ich mir, dass ist es. N64 an den Fernseher gestöpselt und Diddy Kong Racing gestartet. Im Gegensatz zu 1997 fand ich das Kinderlachen am Anfang nun ziemlich nervig. Aber das nur am Rande. Ich habe schon öfter in meiner Retrokiste gewühlt und so manches Spiel angefangen, nur um es nach wenigen Minuten wieder zu beenden. Oh Gott, das kann heute keiner mehr spielen. Bei Diddy Kong Racing war es anders. Schon beim ersten Lied summte ich direkt wieder mit und auch der fette Elefant mit indischem Akzent entlockte mir sofort ein Lächeln. Klar, die Grafik ist hoffnungslos veraltet, jedoch ist Diddy Kong Racing zu manch anderem N64-Spiel wirklich gut gealtert. Der bunte, kindische Look hat immer noch seinen Reiz. Kleine Details, wie umherfliegende Schmetterlinge, sorgen für Atmosphäre und spätestens beim Überfahren eines Frosches macht es Klick und ihr schaltet die innere Stimme, die euch sagt, die Grafik ist nicht gut, ab. Doch halt, was ist denn hier los? Irgendwie fährt sich mein Kart etwas schwammig. War das schon immer so? Ja, war es. Tatsächlich ist die Steuerung nicht optimal. Es fehlt ein bisschen die Genauigkeit eines Mario Karts. Trotzdem, mit etwas Übung hatte ich das Gefährt gut unter Kontrolle. Und der Rest? Noch immer war ich fasziniert vom Umfang des Titels, der eingängigen Melodien und dem Abwechslungsreichtum der Kurse. Auch der Schwierigkeitsgrad hat seinen Schrecken verloren. Mit etwas Übung ist jede Herausforderung zu meistern. Müsste ich heute eine Bewertung abgeben, wäre es bestimmt nicht mehr 100%, aber ganz sicher um die 90 %. Alle die den Titel noch nicht gespielt haben, glaubt mir, es lohnt sich. Holt euch aber am besten das N64-Original und nicht die DS-Version. Da dort die kompletten Münzchallenges gegen ein langweiliges „Tippe die Münzen mit dem Touchscreen an“-Minispiel ersetzt wurden.
 
Ich hoffe, ihr hattet mit der ersten „On Gamers Mind“-Episode genauso viel Spaß wie ich. Wenn ich ein wenig in die Zukunft blicke, fallen mir noch ganz viele Titel ein, die sich für diese Reihe eignen. Zum Beispiel Shenmue, Final Fantasy VII, Battle Arena Toshinden oder Breath of Fire 3. So, nun gehe ich aber noch ne Runde Diddy Kong Racing zocken. Das blöde Schwein will mich einfach nicht gewinnen lassen…
 
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