Die schönsten Liebesszenen der RPG-Geschichte Teil 1

 

Der typisch männliche Videospielcharakter ist im Grunde ein ziemlich harter Kerl. Ständig muss er die Welt vor allen erdenklichen Gefahren befreien, sich durch Horden von Monstern schlagen, nebenbei gefährliche Akrobatikeinlagen meistern und das am besten alles mit einem Lächeln im Gesicht und einen lässigen Spruch auf den Lippen. Ja, so sieht wahre Männlichkeit aus. Doch halt, es gibt auch noch eine andere Sorte von Videospielhelden.

Die Rede ist vom RPG-Held. Zwar rettet auch dieser die Welt vor dem absolut Bösen, kämpft gegen die grässlichsten Ungeheuer und sieht dabei stets cool aus, doch irgendwie hat er mehr zu bieten. Denn wo andere 08/15 Spielcharaktere a la Bill Rizer aus Konamis Contra-Reihe gefühlsmäßig ziemlich mager ausgestattet sind, zeichnet sich der typische RPG-Weltenretter durch ein breites Spektrum an emotionalen Gefühlslagen aus.

Das stärkste aller Gefühle ist bekanntlich die Liebe und genau die bereitet den dungeonerprobten Helden ziemliches Kopfzerbrechen. Wie heutzutage kein Actionspiel mehr ohne Zeitlupenfunktion oder Quicktime-Events auskommt, darf in einem RPG die obligatorische Liebesgeschichte nicht fehlen. Bekanntermaßen gibt es immer ein reizendes Mädel, das es schafft, den sonst so abgeklärten und sicheren Helden aus der Fassung zu bringen.

Sei es nun die peitschenschwingende Feena aus dem Game Arts Klassiker Grandia, die dem jungen Abenteurer Justin ganz schön den Kopf verdreht, oder die schüchterne Yuna aus Squaresofts Meisterwerk Final Fantasy X, der es gelingt, den sonst so vorlauten Blitzball-Spieler Tidus völlig aus dem Konzept zu bringen. Ja, Liebe kann so schön sein. Doch nicht jede Liebschaft endet mit einem Happy End. Manchmal trennen die Verliebten nach der Vernichtung des Bösen ganze Welten voneinander. Selbst für den erfahrendsten RPG-Helden stellt dies ein nicht zu überwindendes Hindernis dar, oder vielleicht doch nicht?

Der Bräutigam

Lufia 2: Rise of the Sinistrals [Snes, 1996]

Der Super Nintendo Klassiker Lufia 2, in Japan unter dem Namen Estpolis Denki II bekannt, lässt euch in die Rolle des Monsterjägers Maxim schlüpfen. Dieser bekommt von der mysteriösen Prophetin Iris den Auftrag die vier Höllenfürsten Gades, Amon, Erim und Daos zu bekämpfen. Um sein Schicksal zu erfüllen, benötigt er allerdings das legendäre Lufia-Schwert. Doch das ist bei weitem noch nicht alles womit sich der rothaarige Weltenretter konfrontiert sieht.

Auf seinen Reisen durch die mittelalterliche Lufia-Welt trifft er auf die wunderschöne Selan, Kommandantin der königlichen Hauptstadt von Pandoria und natürlich kommen sich die Beiden näher. Tja, da ist sie wieder, die obligatorische Liebesgeschichte könnte man jetzt denken. Doch weit gefehlt. Was sich die Entwickler von den Neverland Studios ausgedacht haben trifft man nicht oft in der RPG-Welt an. Nicht nur das sich die beiden Liebenden nach ca. der Hälfte der Spielzeit das Jawort geben, auch das Abenteuer Familie muss das frischgebackene Ehepaar meistern. Ja, auch ein vom Schicksal auserwählter Kämpfer kann sich seinen väterlichen Verpflichtungen nicht entziehen. Da bekommt der Begriff Erfahrungspunktesammeln eine ganz neue Bedeutung.

Der Romantiker

Lunar 2 Eternal Blue [Sega CD, 1995 / Saturn, 1998 / PS-X, 2000]

Was sind die Zutaten für eine der rührendsten Liebesgeschichten am RPG-Himmel? Genau, ein unerschrockener Abenteurer und ein blauhaariges Mädchen von einem fernen Planeten. Klingt am Anfang ein bisschen seltsam, doch spätestens nach der ersten Begegnung der beiden Hauptcharaktere Hiro und Lucia wird dem Rollenspielkenner schnell klar, zwischen denen hat es gefunkt. Eintausend Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers Lunar Silver Star Story, begeben sich die beiden Turteltäubchen auf eine epische Reise, an deren Ende eines der schönsten Happyends der Rollenspielgeschichte auf den Spieler wartet.

Doch bis dahin ist es ein weiter und steiniger Weg. Lucia hat nämlich ein großes Problem. Ihr ist die menschliche Gefühlswelt völlig fremd. Da sie nicht von Hiros Heimatplanet Lunar, sondern von dem weit entfernten Blue Star stammt, die einzige ihrer Art ist und nebenbei zu Beginn des Abenteuers aus einem jahrtausend andauernden Schlaf erwachte, kann man gut verstehen, dass sie Anfangs noch so ihre Problemchen mit den menschlichen Gepflogenheiten hat. Mal amüsant, mal peinlich lässt Entwickler Game Arts die süße Blauhaarige von einem Fettnäpfchen ins nächste treten. Doch auch rassige Schönheiten von entfernten Planeten lernen aus ihren Fehlern. Da bildet Lucia keine Ausnahme. Langsam aber sicher entwickelt sie eine eigene Persönlichkeit und entdeckt so ihre immer stärker werdende Liebe zu Hiro.

Gäbe es da bloß nicht die Sache mit den zwei verschiedenen Planeten. Denn am Ende des Abenteuers heißt es für die beiden erstmal Lebewohl zu sagen. Lucia ist nämlich, wie sich während des Abenteuers herauskristallisiert, die Bewacherin des Blue Stars und dafür zuständig, diesem doch etwas kahlen Planeten zu neuem Glanz zu verhelfen. Doch ein richtiger Rollenspielheld lässt sich von so kleinen Lappalien nicht aufhalten. Mit Hilfe des Star Dragon findet Hiro einen Weg zu seiner Angebeteten. Da ist es nun, das zu Anfang versprochene Happy End. Beide stehen vor einer traumhaften Bergkulisse, sich tief in die Augen blickend und besiegeln ihre Zusammenkunft mit einem herzergreifenden Kuss.

Damit endet der erste Teil der Historie Die schönsten Liebesszenen der RPG-Geschichte. Ich hoffe ihr hattet Spaß und schaut auch beim nächsten Teil wieder vorbei.

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