Was mit Sega nach der Dreamcast-Pleite geschah

Warum der einstige Konsolenhersteller schwächelt

Es ist schon erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. In diesem Jahr ist Segas Dreamcast tatsächlich 15 geworden. Eine Konsole, mit der ich viele schöne Erinnerungen verbinde, aber auch gleichzeitig den Untergang Segas als Konsolenhersteller. Ich weiß noch, wie ungewohnt es war, Sega-Spiele plötzlich auf anderen Systemen zocken zu können. Wer hätte jemals gedacht, dass Sonic mal auf einer Nintendo-Konsole seine Runden drehen würde. Ja, nach der Dreamcast-Pleite unterzog sich Sega einem tief greifenden Wandel. Und da so ein Geburtstag immer ein guter Anlass ist, um ein wenig zurückzublicken, wollen wir gemeinsam mit euch schauen, wie dieser Wandel genau ausgesehen hat. Einige Sachen sind euch sicher bekannt, vor allem wenn ihr beinharte Sega-Fans seid, andere Aspekte wiederum dürften auch euch neu sein. Zumindest erging es uns so.

Der Wandel:
Bereits zwei Jahre nach Erscheinen der Dreamcast bereitete sich Sega darauf vor, den heiß umkämpften Konsolenmarkt für immer zu verlassen. Zu schlecht verkaufte sich der kleine weiße Kasten. 2001 schnappte IGN Gerüchte auf, die besagten, dass Sega Spiele für die Playstation 2 und den Game Boy Advance veröffentlichen will. Kurze Zeit später bewahrheiteten sich diese. Im selben Jahr stellte Sega die Produktion der Dreamcast ein, um sich fort an auf die Programmierung von Spielen für andere Systeme, nämlich für die einstigen Konkurrenten Nintendo, Sony und Microsoft, zu konzentrieren. Was mit einfachen Portierungen (ChuChu Rocket!) begann, setzte sich mit einigen Exklusivtiteln (Sonic Advance, Panzer Dragoon Orta) fort und endete schließlich als erfolgreicher Third Party-Hersteller mit starken eigenen Marken sowie Neuentwicklungen (Jet Set Radio Future, Nightshade). Interessant dabei ist, dass sich dieser Wandel binnen zwei Jahren vollzog. Was 2001 wie das Ende Segas aussah, entpuppte sich im Nachhinein als sinnvoller Schritt.

Wenn Sonic versagt, müssen andere die Kohlen aus dem Feuer holen:
Jede Firma braucht ein Maskottchen, und Sega hat bzw. hatte mit Igel Sonic vielleicht das coolste von allen. Der blaue Flitzer war nicht nur schneller als Nintendo’s Mario, sondern verschaffte dem Mega Drive in den frühen 90er Jahren auch ein erwachseneres Image, als das „brave“ Super Nintendo. Doch im Gegensatz zum Klempner mit der blauen Latzhose, gelang Sonic der Sprung von 2D zu 3D nicht wirklich. Tests zu 3D-Sonic-Spielen fallen gelinde gesagt eher schlecht aus. Einzige Ausnahme: Sonic Colors aus dem Jahre 2010. Fast könnte man meinen, es läge ein Fluch auf den Igel-Games in der dritten Dimension. Denn so verheißungsvoll sie sich in den Previews präsentieren, so grauenhaft sind die Endergebnisse – bestes Beispiel dafür ist wohl Sonic Boom: Rise of Lyrics, das bei GameRankings einen miserablen Wertungsdurchschnitt von 33 % hat.

Aus diesem Grund wurden die Stimmen, dass Sonic doch lieber wieder zu seinen 2D-Wurzeln zurückkehren soll, immer lauter. Oder wenigsten die Tatsache, dass die reinen 2D-Abschnitte in kommenden Titeln eine größere Rolle einnehmen sollen. Und so liefen im Laufe der Jahre andere Marken aus dem Hause Sega Sonic den Rang ab. Anfang 2000 erschien z.B. mit Jet Set Radio sowie dessen Nachfolger Jet Set Radio Future eine viel versprechende Franchise, die jedoch mittlerweile in der Versenkung verschwunden ist. Und auch die Shinobi- und House of the Dead-Spiele schlugen sich ganz gut und erzielten Achtungserfolge. Doch Sega wäre nicht Sega, wenn sie nicht noch andere interessante Spiele-Reihen ihr Eigen nennen würden, die auf lange Sicht Erfolg versprechen. So geschehen in diesem Jahr mit Alien: Isolation. Der Horror-Titel zählt zu den Überraschungen 2014, was nach dem katastrophalen Alien: Colonial Marines wohl niemand vermutet hätte.

Neue Märkte im Visier:
Seit sich Online-Casinos im Jahre 1996 dank der weltweit ersten Plattform InterCasino immer mehr etabliert hatten, nahmen Videospielfirmen diesen lukrativen Sektor ins Visier. Capcom ist so ein Beispiel, die auf ihrer Street Fighter II-Serie basierend Slotmachines entwickelten. Und auch Sega wollte ein Stück vom erfolgsträchtigen Kuchen haben. Jedoch waren die Ergebnisse im Vergleich zu Capcom eher bescheiden. 2009 vermerkte die Seite CasinoListings, dass Sega daran arbeite, in den Online-Casino-Markt einzusteigen. Es stand sogar schon ein Termin fest. Im Oktober 2009 sollte es soweit sein. Selbst eine eigene Plattform wollte Sega gemeinsam mit Playtech entwickeln. Tja, und was ist daraus geworden? Nichts! Anstatt in den Markt einzusteigen, veröffentlichte Sega den Nintendo DS-Titel Sega Casino und heimste eher mittelmäßige Kritiken ein. So liegt die Metacritic Score bei mauen 61%.

Und nun?:
Wie sich Sega in der Zukunft weiterentwickelt ist schwer zu sagen. Zurzeit bringt der traditionsreiche Hersteller kaum Spiele auf den Markt. Und wenn, sind es eher PC-Titel oder die löbliche Ausnahme Alien: Isolation. Von den einst so starken Eigenmarken fehlt jede Spur. Man kann nur hoffen, dass sie Sonic wieder zu alter Stärke verhelfen und am Alien-Universum festhalten. Und vielleicht ist es an der Zeit, dass Sega ernsthaft über einige Comebacks nachdenkt. So ein Streets of Rage 4 oder ein Jet Set Radio 3 wären sicherlich Spiele, die ihren Weg in heutige Konsolenschächte finden würden. Also Sega, nun liegt es an euch.

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