Nintendo

Switch to Nintendo?

Endlich hat das Warten ein Ende. Es ist beinahe schon unglaublich, wie beharrlich Nintendo seine Fans zappeln ließ, bevor es endlich etwas verbindliches zur Konsole gab. Heute ist es nun endlich soweit und die Katze ist aus dem Sack: Switch wird aus NX. Sonst ändert sich nix. Denn vieles von dem, was bereits gerüchteweise in Umlauf war, hat sich bestätigt. Vor allem die Annahme, dass die neueste Konsole ein Hybrid aus Handheld und Heimkonsole wird. Schauen wir uns den Trailer in Ruhe an und sehen wir mal, was uns da genau präsentiert wird.

Vollgas
Nach langem Schweigen von BigN fühlt sich der Trailer wie ein echter Paukenschlag an. Völlig unkommentiert werden wir vor vollendete Tatsachen gestellt. Nach einer beschaulichen Anfangsszene im Wohnzimmer eines stoppelbärtigen Hundebesitzers in seinen Dreißigern knallt uns Nintendo den neuen Namen seines Flaggschiffs um die Ohren: Switch. Es klingt beinahe wie eine Aufforderung, wenn man es vor sich hinspricht: Switch! Wechsle! Komm zu Nintendo, wir wissen, was dein Gamingherz braucht. Vielleicht war das auch einer der Aspekte, die zur Entscheidung für die Namenswahl geführt haben. Während ich also irgendwo im Hinterkopf an einen Film von Anfang der 90er mit demselben Titel denke, nimmt die Musik Fahrt auf und es geht munter weiter.

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Leider kein Taschenspieler
Der Moment, auf den alle gewartet haben, setzt unmittelbar danach ein: Der Spieler klickt die Controller auseinander und setzt sie auf die portable Konsole in der Dockingstation, die dann als Handheld fungiert. Dass er dabei ganz vom kommenden Zelda gefesselt scheint, kann aber nicht von der Tatsache ablenken, dass die Controller recht klein aussehen – dazu später mehr – und dass Switch mit aufgesteckten Controllern in keine Hosen- oder Jackentasche passt. Denn die Analogsticks stehen recht weit vor und wirken sogar wesentlich kruder als bei der WiiU. Außerdem erkennen wir, dass Nintendos klassisches Steuerkreuz tatsächlich gegen vier Einzelbuttons ausgetauscht wurde. Ob das gerade für Spiele, die rasche Combofolgen verlangen und bei denen Gamer gerne den Daumen auf dem Digipad kreisen ließen gut kommt, wird sich zeigen. Immerhin: An den zweiten Analogstick hat Nintendo diesmal gleich gedacht. Später im Video stellen wir noch erleichtert fest, dass es auch einen Pro-Controller gibt, der stärker an das erinnert, was man vom Gamecube gewohnt ist. Was wir übrigens im ganzen Video nicht sehen: Touchsteuerung!

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Module
Im Vorfeld hatten sich die Gerüchte verdichtet, Nintendo könnte wieder auf Module setzen. Wenig überraschend für eine tragbare Konsole, schließlich hat sich Nintendo in diesem Bereich seit dem Gameboy nicht für eine Alternative entschieden. Für einen kurzen Moment, in dem mangels offizieller Infos von Nintendo alles möglich erschien, träumten einige Gamer (zum Beispiel der Autor dieser Zeilen) davon, wie es wäre, wenn Nintendo echte Module produzieren würde, die auch Platz für Zusatzhardware böten. Zusätzliche Grafikpower und ultraschnelle Ladezeiten – das wäre doch was. Aber die dünnen Steckkarten, die es nun wohl richten sollen, dürften das kaum hergeben. Witzig: Diese Art von  Modulschachtabdeckung bei portablen Konsolen hat man zuletzt bei Ataris Gameboyherausforderer Lynx gesehen.

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Offline-Multiplayer für unterwegs
Bei all dem Hype um Onlinegaming haben viele Spielhersteller Splitscreens oder Hot Seats gleich ganz aus ihrem Entwicklervokabular gestrichen. Nintendo geht hier einen Schritt in die andere Richtung und zeigt in mehreren Einstellungen, wie gut sich Switch für Multiplayer-Duelle offline eignet. Die beiden Controllerelemente lassen sich dabei von je einem Spieler bedienen. Allerdings fällt gleich auf, wie winzig diese Teile sind: Sie erinnern eher an Eingabegeräte für Telespielkonsolen der späten 70er. Immerhin funktionieren sie kabellos, das heißt sie müssen jeweils einen Akku haben. Apropos Akku: Über dessen Laufzeiten erfahren wir im gesamten Video leider nichts.

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Mario
Immerhin lässt diese Einstellung die Hoffnung zu, dass die NX – oh, pardon – Switch mit einem neuen Mariotitel zum Launch erscheint. Neben der Tatsache, dass man im Screenshot Ringe statt Münzen sieht (hat da jemand Sonic bestohlen?) wirken die Mario-Spielszenen, auch wenn sie nur kurz sind, tendenziell eher wie eine 3D-Umsetzung von Super Mario Run. Die Level wirken bunt und fröhlich, aber der Klempner ist auf merkwürdig geradlinigen Pfaden unterwegs. Falls Nintendo daran denkt, Super Mario Run auf dem iPhone irgendwie mit diesem neuen Titel zu koppeln, indem User auf ihrem Smartphone Achievements oder Boni freischalten können, wäre das ein spannender Ansatz. Zum Gameplay des neuen Mario lässt sich nur eines relativ sicher sagen: Es geht rasant zu, wie man an den Staubwolken hinter dem Latzhosenträger erkennen kann.

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E-Sports
Mit Splatoon hat Nintendo es immerhin in die E-Sport-Riege geschafft. Allerdings ist das Ausmaß der Begeisterung für die Farbenschlacht unter E-Sportlern und Zuschauern keineswegs so sportstadienfüllend wie Nintendo es hier darstellt. Ist das nun Größenwahn oder ambitionierte Einstellung, mit weiteren Titel groß in das Geschäft um die Profizockerwelt einzusteigen? Man weiß es nicht.

Fazit
Was bleibt am Ende eines dreieinhalbminütigen Ritts mit der neuen Nintendo-Konsole? In erster Linie bleiben viele Fragen offen. Alle Einstellungen im Video sprechen für sich, adressieren ein Publikum von Spielern und stellen die Spielerfahrung in den Vordergrund. Das ist toll, denn wenn Nintendo mit etwas authentisch punkten kann, dann damit. Trotzdem bleibt ein flaues Gefühl: In bereits fünf Monaten soll Switch verkauft werden, und bis jetzt gibt es nur ein unkommentiertes Promo-Video. Wenn Nintendo ab jetzt den Hypetrain ordentlich unter Feuer hält, kann BigN die Vorfreude auf die Konsole weiter schüren. Dazu muss aber auch der Preis stimmen. Denn wenn Switch ein Aufruf sein soll, zu wechseln, ein Aufruf, mitzuspielen, dann wird der Preis darüber entscheiden, wie viele Zocker mitmachen. Und wenn die Mutmaßungen stimmen, dass die Konsole für 300 Dollar ohne Spiel und für 400 Dollar im Bundle zu haben sein soll, dafür fimschige Controller bietet, keine Touchsteuerung erlaubt und technisch in etwa auf PS4-Niveau liegt: Was wäre der Grund, den Hybriden zu kaufen? Das großartige Gaminghardware für unterwegs kein Garant für Erfolg ist, kann Sony mit PSP und PS-Vita unterschreiben. Und wer ist überhaupt die Zielgruppe? In dem Video war kein einziges Kind zu sehen. Müssen die Kleinen also weiter 3DS spielen? Zielt die Switch nur auf Zocker zwischen 20 und 40 Jahre ab? Am Ende bleiben viele Fragen offen. Eine davon ist, ob das möglicherweise die letzte Nintendo-Konsole sein könnte, wenn sie hinter den hohen Erwartungen zurück bleiben sollte. Wir hoffen, dass Nintendo bis Weihnachten noch eine ganze Menge an Infos und guten Gründen für den Kauf der Switch nachliefert.

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